Straßenbahnverlängerung Linie 1 nach Mittelshuchting: Erörterungstermine enden in Katastrophe für Huchtinger Bürger

BSAG_LOGO_LINIE1Es ist mittlerweile bekannt, das der Senat und somit auch die BSAG die Straßenbahnlinie 1 nach Mittelshuchting verlängern will, ebenso die Linie 8 Richtung Weyhe. Das die Huchtinger mit der Verlängerung nicht einverstanden sind, und schon gar nicht mit dem Linienverlauf ist hinlänglich bekannt. Dies wird in manchen Foren auch dadurch zum Ausdruck gebracht, das man die Huchtinger Bürger schon fast hinstellt, als wenn Sie „dumme Bürger“ sind. Nicht nur, das der Senator und die Bau- und Verkehrsbehörde meint, die Huchtinger hätten keine Ahnung. Dabei braucht man nur Gesunden Menschenverstand, man muß im Stadtteil wohnen, leben und Arbeiten – letzteres ist nicht unbedingt notwendig – um zu erkennen, das man nicht einfach eine Trasse durch den Stadtteil leiten kann, nur um den Willen von irgendwelchen Stadtplanern zu erfüllen, die Huchting vom Luftbild her kennen.

Dementsprechend konnten alle Huchtinger eine Einwendung gegen die Linienverlängerung verfassen und bis zu einem bestimmten Datum an den Bau- und Verkehrssenator senden. Dies wurde gemacht und es gab über 370 Einwendungen. Das nenne ich mal Erfolg.

Um alle Einwendungen zu Erörtern, wurde ein Erörterungstermin angesetzt. Diese Termine fanden am 16., 17. und 18. März statt. Treffpunkt war das bus in der Amersfoorter Straße, jeweils Beginn um 9:30 Uhr.  Und wie ging es aus? Auf jeden fall wird es noch mal großen Ärger geben, denn der Erörterungstermin war mehr eine Klatsche für die Bürger, als das man gehört wurde…

Wer am Montag bereits dort war konnte den ersten Eklat bei dem Erörterungstermin mitbekommen. Der Saal war voll und viele Huchtinger waren nun mit Ihren Erwiderungen vor Ort um sich dort ein genaues Bild zu verschaffen. Nun dachte alle natürlich, das man neben einer öffentlichen Erörterung auch noch eine persönliche durchführen konnte, der irrte gewaltig.

Es wurden Protokolle der Erörterung angelegt, jedoch scheiterten die Huchtinger bereits daran, das man nicht auf die einzelnen Punkte eingehen wollte, sondern man mußte sich „Gedulden“ bis man zu den Punkten kam, gegen die man seinen Einwand gerichtet hatte. Viele Huchtinger verließen erbost die Veranstaltung, da diese Berufstätig waren und die Veranstalter nicht sagen konnten, wann man zu den Punkten kam, auf die jeder sein Einwand gerichtet hatte. Das sollte zu Protokoll gegeben werden, was abgelehnt wurde! Wer kann es sich leisten, „mal eben“ drei Tage Urlaub zu nehmen!

Unter großem Protest, der wohl vermerkt wurde im Protokoll, verließen über die Hälfte der Anwesenden Huchtinger die Erörterungssitzung. Daran zeigt sich einmal mehr, wie herablassen die Mitarbeiter der Bau- und Verkehrsbehörde unter der Leitung von einem „grünen“ Senator Lohse den Bürger gegenübertreten. Die Sitzung ging von 9:30 Uhr bis 19:00 Uhr. Rekord!!! Und wir Steuerzahler freuen uns, schließlich bekommen die Mitarbeiter bessere Gehälter als der Arbeitnehmer.

Als ich am Dienstag mit die Sitzung angetan habe, war das ganze auch nicht besser. In den zwei (!) Stunden ging es nur um den Lärm und Lärmschutz. Als ich mit Herrn Danne gesprochen hatte, teilt er mir mit, das es am Vortag auch schon um den Lärmschutz ging. Auch als Selbständiger Unternehmer kann man seine Firma nicht drei Tage (!) Dicht machen, nur weil die werten Damen und Herren Planer und Mitarbeiter der Behörde den Ablaufplan nicht ändern wollen. Aber eigentlich sollen wir Huchtinger auch nur alle Kröten schlucken, die man uns vorwirft, ohne Widerspruch.

Der Lärmschutz entlang der BTE-Trasse wird „nur“ 1,20 m hoch, obwohl in einem Erwiderungsschreiben 1,50 m stand. Antwort: das ist ein Schreibfehler, man hat sich darauf geeinigt, das man im Falle einer Havarie „über“ die Lärmschutzwand noch entkommen kann. Die Lacher ernteten die Planer. Wie soll ein älterer Mensch mit Rollator über die Lärmschutzwand kommen? Hier geht es auch nur wieder um die Schüler, Arbeitnehmer und anderen Nutzer. Ältere werden außen vor gelassen. Im Nachhinein wurde gesagt, das die Feuerwehr noch ein Gutachten erstellen will, und sich die Örtlichkeiten anschauen muß, außerdem werden in gewissen Abständen „Türen“ eingebaut, damit die Flucht besser klappt. Diese Aussage bekamen wir Bürger aber nur, nachdem Nachgefragt wurde. Ein Trauerspiel diese Planung.

Nachdem der Lärmschutz abgehandelt war – nehmen wir den Tag davor waren es wohl insgesamt 4 oder 5 Stunden – kam man auf das Thema Erschütterung bei den Bauarbeiten. Diese können entstehen durch Baufahrzeuge als auch durch die späteren Fahrten der Straßenbahn. Es wurde uns mitgeteilt, das Gutachter durch Huchting gehen und eine Dokumentation verfassen, welchen Gebäudezustand sie gerade vorfinden. Bei späteren Schäden kommt dann die Versicherung auf, entweder die Stadt oder der Bauunternehmer.  Ein Besucher fragte, was bei einem älteren Haus wäre, dessen Dachbalken zwar gut sind, aber die Erschütterungen nicht aushalten könnten. Ob die Vorher verstärkt würden, bevor dort gebaut wird. Nein, war die Antwort. Und wenn das Dach nun durch die Erschütterung einstürzt? Dann war das Haus eben alt und nicht mehr solide und dafür kommt die Stadt oder der Bauunternehmer nicht auf, war die Aussage.

Im Vorfeld wurde schon mal abgelehnt überhaupt bei entstanden Schäden zu bezahlen, schließlich werden die neuesten Baufahrzeuge verwendet. Und sollte ein Bauabschnitt ein anderes Baufahrzeug benötigen, mit einer anderen Walze oder Bereifung etc., so muß der Unternehmer das besorgen, damit die Gebäudeschäden minimal sind. Eine Anwältin schaltete sich ein und erklärte, dass das zu Verzögerungen im Bau bedeuten würde. Schließlich sind die Baufahrzeuge nicht immer gleich verfügbar. Somit würde sich der Bau der Straßenbahntrasse weiter hinziehen und nicht drei sondern fünf Jahre andauern. Das könnte kein Einzelhändler überleben.

Dieser Einwand wurde protokolliert aber nicht für vollgenommen. Auch der Einwurf von Ihr, das man das bitte beschleunigen könnte wurde abgelehnt. Die Anwältin sagte den „werten Herren“ das man nicht unendlich Zeit hätte sich hier hinzusetzten und darauf zu warten, das man zum nächsten Punkt käme, schließlich hätte sie auch noch andere Fälle und Termine in der Kanzlei. Der Einwand wurde wohl zu Protokoll genommen.

Auch ich machte mich dann wieder auf den Weg ins Büro, schließlich kann ich nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag das Büro dicht machen. Schließlich will die Stadt ja Geld haben, um dieses zum Fenster rauszuwerfen.

Meine Mutter hat sich den letzten Tag noch angetan und da war es auch nicht besser. Erst gegen 16:00 Uhr wurden auf die persönlichen Einwendungen eingegangen, aber auch nicht alle. Von Herrn Danne habe ich erfahren, das es am Mittwoch bis um ca. 18:00 Uhr ging. Aber alle Fragen konnten und wollten die Herren auch nicht beantworten, sondern eierten in Ihren Antworten mal wieder rum.

Fazit der Erörterungstermine

Wie nicht anders zu erwarten war, ging man zwar auf die Bedenken der Bürger ein, jedoch nicht mit der Ernsthaftigkeit, wie es eigentlich geboten sein sollte. Vorrangig herrschte die Meinung: „Wir sind die Planer und Behördenmitarbeiter, wir haben Ahnung und Ihr seit bloß die blöden Bürger die keine Ahnung haben. Nehmt die Verlängerung und haltet die Klappe!“

Einwände wurden Wegdiskutiert, Hinweise teilweise nicht beachtet und Ängste nicht beseitigt. Einzig das Projekt zählt, der Stadtteil und die Bewohner interessieren nicht. Wichtig ist: Geld ausgeben! Steuergeld verschwenden! Die Frage, warum nicht Hybridbusse eingesetzt werden, warum man nicht verstärkt Elektrobusse einsetzt – die bereits seit drei Jahren im Dauerbetrieb in der Nähe von Hamburg fahren – wurde nur müde beantwortet mit dem Ausstoß von CO2 der bei der Straßenbahn so und so viel Einspart. Das damit nicht die Frage oder die Aussage beantwortet wird scheint den Behördenmitarbeitern egal zu sein. Die Wahrheit hat man seitens der Behörden und von Herrn Lohse sowie der BSAG noch nie erhalten.

Alleine die Fahrgastzahlen sind ein Witz. Wieso fahren „auf einmal“ weniger  Menschen mit dem Bus? Keine Aussagekräftigen Antworten die Belegbar sind! Das die Busse gut genutzt werden, ist außer Frage. Die Straßenbahn kann viel mehr Fahrgäste transportieren und es kommen auch gleich mal x-tausende dazu… Natürlich wird nun jeder Huchtinger auf die Straßenbahn umsteigen, wenn Sie einem durch das Wohnzimmer düst! Da wird mit Zahlen jongliert das einem Schwindelig wird, was nicht nachvollzogen werden kann. Die meisten Huchtinger werden weiterhin mit dem Auto fahren und die Betriebe müssen mit Autos fahren oder die Ware ausliefern. Welche Staus durch den Bau und bei Betrieb dann „provoziert“ werden kann man nur erahnen. Selbst Schleichwege sind dann „abgeschnitten“ denn irgendwo stößt man auf eine Ampelanlage für die Straßenbahn, die immer Vorrang hat.

Ebenfalls mit keiner Silbe erwähnt sind Ersatzfahrzeuge, wenn die Straßenbahn durch einen Unfall – ob nun selbstverschuldet oder nicht – nicht nach Huchting kommen kann. Auch da hüllt man sich in Schweigen und sagt nur: „Die Straßenbahn ist toll! Gut für Huchting!“ Wenn aber kein Huchtinger mehr ins Roland Center kommt und zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle laufen muß ist das immer noch „toll für Huchting“? Werden umgehend Ersatzbusse geschickt? NEIN! Das haben wir Huchtinger schon oft erlebt, das keine Straßenbahn kam, man wurde nicht informiert, die Mitarbeiter wiesen alle „Kunden“ ab und konnte stehen und warten. Das ist Beförderungspolitik und Service Gedanke der BSAG. Hauptsache jedes Jahr die Fahrpreise erhöhen.

Was ist mit den älteren Menschen, die noch Fahrradfahren können? Meine Mutter hat schon gesagt, das Sie nicht mehr mit dem Fahrrad fährt, wenn der Fahrradweg auf der Fahrbahn ist. Früher hätte Ihr das nichts ausgemacht, aber jetzt ist das was anderes. Klar schreien gleich wieder einige: dann sollen die Alten doch weg bleiben und ins Pflegeheim gehen; haben eh nichts auf der Straße zu suchen.

Aber selbst jüngeren ist das nicht geheuer. Keiner von den Planern ist mal auf der Straße neben einem mit 60 km/h vorbeifahrenden LKW gefahren. Der Lieferverkehr wird bleiben, denn es wird auch weiterhin Betriebe in Huchting geben. Der Sog ist groß, daher wäre ein Radweg als psychologisches Mittel viel besser.

Die Fahrten Richtung Friedhof Huchting sind auch ein Witz. Nur alle halbe Stunde? Und dann muß man auch noch Umsteigen wenn man am verkehrten Ende von Huchting wohnt? Optimiertes ÖPNV sieht anders aus. Umsteigefrei sollte es sein, aber nun muß man wieder umsteigen, und dass innerhalb eines Stadtteils, was eine Zumutung ist, gerade für Ältere.

Eine Verbesserung des Stadtteils ist nicht erkennbar, weder infrastrukturell, soziologisch, ökonomisch noch ökologisch. Der Erörterungstermin war ein Feigenblatt, wo die Arbeitende Bevölkerung, die Unternehmer, Freiberufler und Selbständigen außen vorgelassen wurden. Und das in vollster Absicht!

Die Unsicherheit und die Zweifel an dem Projekt sind nicht aus dem Weg geschaffen worden, sondern nur befeuert worden, da keine Vernünftigen Antworten und Aussagen gekommen sind, man wurde als „dumme Bürger“ hingestellt, wo nicht einmal Fachbegriffe erklärt wurden. Warum auch, Hauptsache wir wissen bescheid, haben sich wohl die Behördenvertreter gedacht. Dementsprechend werden wir Huchtinger weiter gegen diese Verlängerung kämpfen, denn so kann man den Steuerzahler nicht behandeln, wenn man schon Millionen versiebt.

Wer mag kann sich die durchlesen, die wir als Firma erhalten haben. Gerade die letzten Seiten sind sehr aufschlussreich und zeigen eigentlich, das man noch nicht einmal auf den Abriß der Brücke Heinrich-Plett-Allee eingegangen ist. Auch so kann man Frust schüren.

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