Planfeststellungsbeschluß für die Straßenbahnverlängerung Linie 1 und 8 durch Huchting (Teil 2)

BSAG_LOGO_LINIE1Der Planfeststellungsbeschluß für die Straßenbahnverlängerung der Linie 1 nach Mittelshuchting und die Verlängerung der Linie 8 nach Stuhr liegt nun aus bzw. wurde zugestellt.

Wie bereits in Teil 1 geschrieben, widmen wir uns einigen wichtigen Passagen aus dem mehr als 300 Seiten starken Planfeststellungsbeschluß und prüfen diese Aussagen. Dabei blicken wir in Teil 2 immer noch auf den Ortsteil Huchting und widmen uns dem Busringverkehr…

Während andere Deutsche Städte den Elektrobus nicht nur testen sondern auch im täglichen Einsatz haben, hat sich Bremen davon wohl mehr oder minder verabschiedet. Zwar setzt die BSAG auf die Hybridtechnologie, aber so richtig Elektro, bis auf einige Autos, wird es wohl nichts werden. Nach außen hin wird immer wieder Werbung gemacht, wie Fortschrittlich die BSAG ist, und daß Sie die ersten in ganz Deutschland sind, aber da sind andere ÖPNV Unternehmen viel weiter.

Als Beispiel fährt ein Elektrobus im Dauereinsatz in einer Stadt in der nähe von Hamburg. Dieser Bus kommt auf bis zu 300 Kilometer pro Tag und das ÖPNV Unternehmen ist mehr als begeistert von dem Bus. Dieser kostet nun auch nicht mehr als ein normaler Hybridbus oder ein Dieselbus. Der Wille muß da sein, aber nicht bei der BSAG, die sich wenig bis gar keine Veränderung wünscht. So ließt sich jedenfalls der Abschnitt über die Elektrobusse:

Der Einsatz von Bussen mit Elektroantrieb ist vorwiegend aus umweltpolitischen Gründen wünschenswert. Zu diesem Zweck werden auch in Bremen laufend neue Elektrobusse getestet, um Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sammeln. Zurzeit sind jedoch weder die Serienreife noch die Wirtschaftlichkeit gegeben. Unabhängig davon sind aber Elektrobusse für Huchting gar keine Alternative zur Straßenbahnverlängerung, da sich bei einer reinen Umstellung des Busantriebs das Angebot nicht ändert. Wie vorstehend ausgeführt sind aber insbesondere der Wegfall der Umsteigesituation am Roland-Center und eine Erhöhung des Fahrkomforts wesentliche Kriterien für die prognostizierte Zunahme der Fahrgäste…

… Generell ergibt sich durch die Verlängerung der Linien 1 und 8 in Verbindung mit dem geplanten Busnetz eine deutlich verbesserte Erschließungswirkung in Huchting.

(Quelle: Planfeststellungsbeschluß, Seite 62 – 63, Abschnitt 3.2.5)

Elektrobusse werden in Bremen regelmäßig getestet, aber die BSAG setzt lieber auf PKWs, die vor der Zentrale am Flughafendamm stehen. So richtig warm geworden ist die BSAG mit den Elektrobusse nicht und auch auf die Fragen, warum andere Städte auf Elektrobusse setzen und damit zufrieden sind, weicht die BSAG aus oder hüllt sich in Schweigen. Natürlich geht es um Umwelt und die Verminderung des CO2 Ausstoßes – das ist es jedenfalls, was der Bausenator Lohse immer wieder propagiert -, jedoch soll bei diesem Projekt kein Bus mehr durch Huchting fahren. Gewagte Aussage? Mag sein, aber wenn man sich den Bericht weiter durchliest, dann stößt man auf einen Abschnitt, wo wir als Huchtinger ziemlich auf die Barrikaden gehen und uns von den Planern und dem Senator sowie der BSAG als Gesamtes, vom Steuerzahler Subventioniertes Unternehmen, im Stich gelassen fühlen…

Voraussichtlich Bus 58 zwischen Brüsseler Straße über Huchtinger Heerstraße zum Roland Center

Durch den Verlängerungsabschnitt der Linie 1 zwischen Roland Center und der Brüsseler Straße werde nicht alle Bereiche in Huchting erschlossen. Daher wird es entsprechend der ausdrücklichen Zusicherung der BSAG auch weiterhin Verkehr mit Bussen geben. Die Planung des Buslinienangebotes ist jedoch nicht Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens.

(Quelle: Planfeststellungsbeschluß, Seite 63, unten)

Die BSAG ist eine Aktiengesellschaft, und die Mehrheitsanteile liegen bei der Stadt Bremen. Zudem Bezuschusst das Land Bremen die BSAG im Schnitt mit 50 Millionen Euro pro Jahr. Dazu kommt nun ein Bürgschaft für den Kauf neuer Straßenbahnen – man konnte ja nicht Ahnen, das die alten Niederflur Straßenbahnen so schnell kaputt gehen, da Sie eine höhere Laufleistung haben – sowie den Umbau und der Modernisierung der Werkstätten, so daß Bremen knapp 400 Millionen Euro zusätzlich ausgeben muß. Geld das Bremen, als Haushaltsnotlageland, nicht hat. Schließlich wird in der Bildung, im Bereich der inneren Sicherheit, der Gerichte und bei den Behördenmitarbeitern gespart.

Es wäre also die Pflicht von den Planern, zumindest von Herrn Lohse gewesen, zu sagen, das die BSAG eine Busverbindung „definitiv“ auf die Strecke Brüsseler Straße, Roland Center, Friedhof Huchting umzusetzen hat. Aber es geht ja hier um Eitelkeiten, seitens Herrn Lohse und der BSAG ganz Bremen mit Schienen „vollzupflastern“ und den Individualverkehr außen vor zu lassen. Zugleich wird aber dadurch die Möglichkeit genommen, flexibel auf große Störungen im Straßenbahnbetrieb zu reagieren, in dem Busse eingesetzt werden. Flexibel ist die BSAG in diesem Falle nicht. Daher ist davon auszugehen, das die Strecke, trotz Zusicherung der BSAG, irgendwann nur noch von der DELBUS bedient wird und die „Kunden“ 30 Minuten warten müssen, bis mal ein Bus kommt.

Dies ist mehr als sehr vage Formuliert und impliziert, das die BSAG jederzeit die Möglichkeit besitzt die Busse abzuziehen oder die Taktzeiten so zu verlängern, das die Huchtinger Bevölkerung im Bereich Huchtinger Heerstraße bis zum Huchtinger Kreisel „abgeschnitten“ wird. Wie so häufig wird dann auch dort die BSAG Fahrgastzählungen durchführen (meistens dann, wenn wenig los ist, damit die Zahlen „geschönt“ werden) um eine Veränderung durchdrücken zu können. Eine Verbesserung für den Stadtteil, wenn eine Hälfte „abgeschnitten“ ist, sehe ich in diesem Falle nicht. Im Gegenteil: die Fahrzeiten, die angeblich kürzer ausfallen sollten, verlängern sich im Stadtteil. Es geht ja auch nicht um den Stadtteil es geht der BSAG und Herrn Lohse um die City. Mehr nicht. Was mit den Stadtteilen passiert ist vollkommen zweitrangig.

Mit diesem Angebot ist sichergestellt, dass auch Anwohner außerhalb der Erschließungsradien der Straßenbahnverlängerung ein adäquates ÖPNV Angebot haben werden. Somti ergeben sich Umsteigemöglichkeiten zwischen Straßenbahn und Bus nicht nur wie heute am Roland-Center, sondern auch an der Brüsseler Straße. Die Verknüpfung zwischen diesen beiden Verkehrsmitteln wird somit verbessert.

(Quelle: Planfeststellungsbeschluß, Seite 64 oben)

„… ein adäquates ÖPNV Angebot…“ für den Bereich zwischen Brüsseler Straße und Roland-Center… Es ist also angemessen, das die andere Hälfte der Huchtinger eben halt mit längeren Wartezeiten zu rechnen hat…

Da es aber auf ein „Good Will“ der BSAG hinausläuft, auch wenn im Planfeststellungsbericht steht, das die BSAG eine Busverbindung aufrecht erhalten will, so verlängern sich die Wartezeiten an den Haltestellen. Heute fahren die Busse alle 10 Minuten durch Huchting. Natürlich Abends dementsprechend nur alle 20 Minuten oder 30 Minuten. Nach der Verlängerung werden die Taktzeiten auf 15 Minuten ausgedehnt. Schön ist das nicht, zumal so auch gesagt wird: „Tja, lieber Huchtinger, du wohnst halt in der Falschen Ecke von Huchting. Wir haben Dich abgehängt, aber was solls…“ Es ist davon auszugehen, das sich dann einige einen Zweitwagen anschaffen werden. Denn bei den Taktzeiten von 15 Minuten wird es wohl nicht bleiben. Es wurde zugeischert, seitens der BSAG auf dem Bürgerforum, das die Linie 204 nach Delmenhorst, alle 10 Minuten in Richtung Friedhof Huchting fährt. Absolut abwegig und wird mit keiner Silbe mehr im Planfeststellungsbeschluß erwähnt. Auch hier wieder: Eine Beruhigungspille für die Huchtinger. Diese haben das aber damals schon nicht geglaubt.

Zu dem Vorwurf, dass es zukünftig zwischen den Haltestellen Friedhof Huchting und der Delfter Straße keine direkte Verbindung mehr geben wird, sondern ein Umsteigen am Roland-Center erforderlich wird, verdeutlicht der Vorhabenträger, dass Fahrgastzählungen ergeben hätten, dass diese Fahrbeziehung nur wenig genutzt wird.

(Quelle: Planfeststellungsbeschluß, Seite 64 unten)

Diese Zahlen wurden den Huchtinger nicht vorgelegt.

Es ist also davon auszugehen, das diese Zahlen nicht stimmen, wenn Sie denn mal vorgelegt worden wären. Schließlich kennen wir eine Reihe von Huchtinger, die sich absolut darüber aufregen, entweder 20 Minuten von der „neuen“ Haltestelle Auf den Kahlken bis zum Friedhof Huchting laufen zu müssen, oder umständlich am Roland-Center umsteigen müssen. Dadurch wird die Fahrzeit innerhalb des Stadtteil deutlich erhöht und die „Bequemlichkeit und Schnelligkeit“ geht verloren. In dem Bereich von Friedhof Huchting liegt ja nicht nur die Hermannsburg sondern auch der Friedhof, wo regelmäßig die Hinterbliebenen nach dem Rechten sehen und die Gräber pflegen. Die Verbindung wird sehr gut genutzt, aber man stellt die Fahrgastzähler so ein, damit diese nur in schwachen Zeiten laufen, damit man mit den niedrigen Fahrgastzahlen ordentlich jammern kann. Auch bei dieser Aussage trifft zu: Planer am Grünen Tisch und nur nackte Zahlen spiegeln nicht den Tatsächlichen Bedarf wieder.

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