Planfeststellungsbeschluß für die Straßenbahnverlängerung Linie 1 und 8 durch Huchting: Fazit

BSAG_LOGO_LINIE1Ziehen wir ein Fazit nach drei Teilen die sich mit dem Planfeststellungsbeschluß aus dem Hause des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr beschäftigt haben. Dieser umfaßt mehr als 350 Seiten und schildert noch einmal die Linienverlängerung der Linie 1 und 8, wobei versucht wird, sehr genau auf die Einzelnen Belange im Stadtteil Huchtings  einzugehen.

Die Frage aber lautet aber trotzdem: Tun die Planer das wirklich? Oder bleiben noch diverse Fragen offen? Ging man auf Argumente oder Vorschläge genauer ein?

Nach der Durchsicht dieses „Schinkens“ kann man eigentlich nur sagen: Eigentlich ist alles beim alten geblieben. Nichts wurde geändert, keine neuen Erkenntnisse vieles bleibt offen und keine Bewegung seitens der Planer.

Es zeigt sich also: die Bürgerforen waren ein Witz, eine Beruhigungspille und das Spiegelt sich auch in dem Planfeststellungsbeschluß wieder in dem auch die über 250 Einwendungen kaum eine Rolle spielten…

Welche Auswirkungen die Straßenbahnverlängerung in einen sehr stark gewachsenen Stadtteil hat, kann sich keiner Ausmalen, der nicht hier wohnt, lebt vielleicht sogar Arbeitet und somit auch seinen Arbeitsplatz eventuell gefährdet sieht.

Blicken wir über den Tellerrand hinaus und schauen auch mal auf andere Blogs oder Foren die sich mit der Straßenbahn beschäftigen. Dort wird gegen die Huchtinger gegiftet ohne Ende, das wir keine Ahnung hätten, wir doch froh sein sollten. Es ist schon schön zu lesen, das Forenmitglieder „mehr Ahnung“ von Verkehrsplanung haben und auch von einem Stadtteil, den sie mal gegooglet haben oder vielleicht mal in der Zeitung gelesen haben. Wer von denen hat denn Lust bis zur Endhaltestelle zu fahren und sich einen Kreisel anzusehen? Die Sparkasse dort hat jetzt schon kaum vernünftige Öffnungszeiten und der zweite Laden, ein Tierfuttergeschäft – hat auch nur drei Tage die Woche auf – wo es sich lohnt hinzufahren. Aber Hauptsache dieses Klientel wird bedient.

Stuhr, Weyhe, Brinkum und Mittelshuchting werden hiermit direkt und ohne Umsteigen an City und Hochschule angebunden.

(Quelle: Weser Report, Pro & Contra Straßenbahnverlängerung Linie 1 und 8, Mittwoch, 15. Juni 2016)

Aus dieser Aussage läßt sich erkennen, das es dem Senator und dem Senat sowie der BSAG gar nicht um den Stadtteil Huchting selber geht, sondern es geht Ihnen darum, die Menschen aus dem Stadtteil in die City zu bringen. Dort soll das Geld ausgegeben werden und nicht im Stadtteil selber. Auch Huchting bietet eine gute Infrastruktur und Arbeitsplätze an, die in Unterschiedlichen Bereichen zu finden sind. Das dies aber konterkariert wird durch die Straßenbahnverlängerung und gegebenenfalls auch Firmen und Arbeitsplätze kosten kann ist in diesem Falle zweitrangig.

Die Erreichbarkeit des Roland-Centers wird besser

(Quelle Weser Report, Pro & Contra Straßenbahnverlängerung Linie 1 und 8, Mitwoch, 15. Juni 2016)

Für den einen Teil von Huchting wird die Erreichbarkeit des Roland Centers verbessert, die andere Hälfte von Huchting wird weiterhin mit dem Bus fahren. Wer jedoch an der Kirchhuchtinger Landstraße wohnt, muß dann eben halt länger auf den Bus warten und auf darauf Hoffen, das die BSAG die Taktzeiten nicht ins unendliche ausdehnt, so daß die Bewohner aus der Hermannsburg und den anderen dortigen Nebenstraßen bis zur Straßenbahn laufen müssen. Es wurde bereits gesagt, das die Nebenstraßen (Kladdinger Straße und Neuer Damm) nicht saniert werden denn das gehört nicht mit zur Verlängerung. So müssen sich die Fußgänger über schlechten Straßenbelag bewegen, gerade dann im Winter, wenn nicht dort gestreut wird. Oder die Rollator Besitzer. Auch das ist ein Unding, das man diesen Menschen Zumutet, weite Strecken zu laufen damit diese zum Roland-Center kommen.

Es wurde bei der Verlängerung nur daran gedacht, wie man die Arbeitnehmer in die Stadt bekommt, aber nicht was mit der Bevölkerung im Stadtteil ist und wie damit das gesamte Gesicht verändert wird. Dieser Stadtteil ist in den letzten Jahren gewachsen und hat so sein Gesicht verändert, durch neue Gebäude und Wohngebiete, und der Entstehung von neuen Kitas. Das Stadtteil Huchting verändert sich und wird nun durch eine Straßenbahn Infrastrukturell und sozioökonomisch zerrissen.

Mir ist aber auch bei diesem Satz von Herrn Lohse nichts mehr einfallen, und daß sagt einiges darüber aus, wie er die Straßenbahnverlängerung für Huchting sieht:

Die Verlängerung der Linie 1 und 8 sind für Bremen ein weiterer Schritt in die Zukunft als lebenswerte Großstadt, …

Gleiches gilt für Huchting …

(Quelle Weser Report, Pro & Contra Straßenbahnverlängerung Linie 1 und 8, Mitwoch, 15. Juni 2016)

Erst im letzten Satz wird Huchting erwähnt, und nicht zu Anfang. Darin liegt die Crukx der Verlängerung. Es ging nie um den Stadtteil Huchting, es ging einzig um ein Prestigeprojekt seitens der Grünen und von Herrn Lohse, und darum, die BSAG als Monopolunternehmen in Bremen zu halten. Es geht um Bremen und durch diese Aussage wird noch einmal deutlich gemacht, das die Stadtteile und die Stadtteilparlamente nichts zu sagen haben. Denn selbst der Beirat Huchting ist gegen diese Pläne und hat dies mehrfach angemahnt, diese intensiv mit dem Beirat und den Bürgern zu besprechen.

Es geht um den Stadtteil und nicht um die Stadt. Das ist aber weder bei den Planern, noch bei dem Senator noch bei der BSAG angekommen.

Wir haben nicht einfach gesagt „wir wollen die Verlängerung nicht“ sondern wir haben mehr Vorschläge gemacht als den Planern recht war. Auch auf den Bürgerforen, die sich im Nachhinein betrachtet als vergeudet herausstellten, haben die Bürger immer wieder neue Vorschläge gemacht. Immer wieder wurde zwar gesagt wir haben das umgesetzt… Aber wo? Es wurde nur in soweit umgesetzt, wie es die Planer (!) wollten. Eine Änderung des Streckenverlaufes wurde sofort abgelehnt. Andere Möglichkeiten, die von der Bevölkerung vorgetragen wurden, wurden Wortreich abgewiesen oder nicht beantwortet. Warum? Weil es schon feststand, wie alles zu bauen ist. Die Bevölkerung stört da nur und soll im Endeffekt aber ordentlich bezahlen.

Das konnte man deutlich in dem Planfeststellungsbeschluß herauslesen. Gut geführte Argumente wurden einfach weggewischt, gut 95 % aller Einwendungen wurden abgelehnt, Änderungen oder Vorschläge nicht hinterfragt oder noch zusätzlich eingeplant. Bei einigen anderen Einwendungen, die restlichen 5 %, muß der Senat noch überlegen und schauen, ob man dort „eventuell“ passiven Lärmschutz bezahlt. Bedeutet in diesem Fall: lebt mit dem Lärm, wir wollen die Straßenbahn, und wenn du da wohnst, dann hast du Pech gehabt.

Das hat nichts mit dem Satz von Herrn Lohse gemein, der in einem Zeitungsartikel gesagt hat:

… für Huchting als liebenswerten Stadtteil.

Wo ist er liebenswert, wenn mit die Straßenbahn über den Kaffeetisch fährt oder alle 3 Minuten eine Bahn an mir vorbeirauscht?

Da aber die Planer, die BSAG und auch der Senator darauf beharrte, bleibt einem nur noch eines übrig: sich dagegen stellen. Wer immer wieder mit einer Art „Brechstangen“ Mentalität vorgeht und meint, „es muß so sein, anders geht es nicht,“ wird dadurch keine neuen Leute gewinnen können. Das ist hier der Fall. Man versucht die Bevölkerung dafür zu gewinnen, in dem man Ihnen das blaue vom Himmel erzählt, und wundert sich dann, wenn die Bevölkerung hinter her feststellt, das es nicht so ist, und sich darüber aufregt und die Pläne ablehnt.

Warum die Pläne abgelehnt werden?

Nun, zu aller erst muß man auf die Struktur in Huchting schauen. Viele, eng bebaute Gebiete und enge Straßen. Gewachsen mit den Jahren. Eine Veränderung und gleichzeitig gewachsen ist die Industrie bzw. Unternehmen. Es gibt verschiedene Arten von Firmen, die sich hier angesiedelt haben und Unternehmen, die sich bereits in der zweiten oder dritten Generation befinden. Der Busring erfaßt ganz Huchting und bringt die Leute von A nach B, zudem kann gut die Nebenstraßen in einer vernünftigen Fußmarschzeit erreichen. Die Busse bringen uns sicher und gut zu allen wichtigen Punkten im Stadtteil, auch zu den Ärzten, die sich teilweise an der Hauptstraße befinden, teilweise fünf Gehminuten von der Haltestelle entfernt.

Dies alles soll so zerschnitten werden, das sich die Wege innerhalb eines Stadtteils deutlich verlängern. Zudem werden dem Individualverkehr längere Wege auferlegt und dadurch erhöht sich das Verkehrsaufkommen. Es ist nicht nachvollziehbar, das der Senator Lohse meint, das alle nun auf die Straßenbahn umsteigen müssen. Das hat er auf einer der Bürgerforen geäußert. Das ist nicht machbar und nicht möglich. Es liegt jedem Menschen frei, das Verkehrsmittel zu verwenden, was er am besten braucht. Herr Lohse geht davon aus, das alle sich auf die Straßenbahn stürzen, was aber nicht der Fall sein wird. Keiner wird sein Auto verkaufen und nur noch mit der Bahn fahren. Viele Arbeiten nicht direkt in der Stadt, sondern müssen zwei oder drei mal umsteigen, um zur Arbeitsstelle zu kommen. Ein Auto ist da bequemer. Ebenso werden die Dienstleister und Handwerker weiter auf Ihre Autos setzen, denn Sie brauchen Werkzeug und Ersatzteile. Und selbst wir werden uns ein Auto zulegen und dann auch durch den Stadtteil fahren, denn es geht schneller.

Und da kommt die Zeit wieder ins Spiel. Keiner fährt gerne innerhalb eines Stadtteils 20 Minuten oder länger. Länger bedeutet dann in diesem Falle, wenn keine Straßenbahn Brüsseler Straße steht, weil wieder ein Unfall geschehen ist, und es nur ein Ersatzverkehr von der Kurt-Huber-Straße bis Hauptbahnhof gibt und Huchting wieder – wie immer – von der Stadt abgehängt wird. Diese Zusicherung, das es einen Ersatzverkehr für Huchting in die Stadt gibt, wird mit keiner Silbe erwähnt. Das bedeutet: ein teurer Ausbau für die Stadt, ein „Triumph“ für die BSAG aber der Service bleibt für die Huchtinger auf der Strecke, wie immer.

Die Verlängerung nach Huchting wurde nur mit aller Macht jetzt vorangetrieben, damit der Senat nicht einzelne Buslinien EU weit ausschreiben muß. Dadurch bleibt die BSAG in Bremen ein Monopol. Das ist nicht Sinn und zweck einer Verlängerung, die einem Stadtteil aufgedrückt wird. Vorteile bringt es nicht, nicht wenn viele Fragen noch offen sind, und sich Herr Lohse versteckt und die BSAG vorschiebt, und die BSAG nicht weiß, wie es in einem Stadtteil weitergehen soll, der von einer Straßenbahntrasse zerrissen wird. Ich denke, wenn es nach der BSAG gegangen wäre, dann hätten sie auch noch den Bus von der Brüsseler Straße bis Roland Center ebenfalls abgeschafft. Sollen die Leute doch bis Roland Center oder Brüsseler Straße laufen…

Böse? Ja, die Aussage ist Böse… denn bis jetzt hat seitens der BSAG auch keine Klaren Aussagen erhalten und wenn, dann Politiker Sprech…

Es ist definitiv ratsam, gegen die Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 und 8 zu klagen. Wenn Bremen kein Geld hat für Bildung und den Ausbau von Kitas (gerade Aktuell im Weser Kurier – 28. Juni 2016) dann hat es auch kein Geld für diese Verlängerung. Bildung und Kitas sind ein Wesentlicher Bestandteil für die Zukunft Bremens, denn wir brauchen Jugendliche, die gut gerüstet in die Ausbildung gehen können.

Zumal: Wenn die Straßenbahn nicht die erwarteten Nutzerzahlen hat, was dann? Wer bekommt die Schuld? Die Huchtinger Bevölkerung und die Fahrpreise werden dann mehr als nur um 2,5 % ansteigen, um das Defizit der BSAG auszugleichen. Aber da müssen wir Huchtinger dann auch sagen: Dumm gelaufen, den Schuh ziehen wir uns nicht an. Die Schuld liegt somit bei der BSAG und bei Planern aus dem Haus von Senator Lohse.

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