Straßenbahnverlängerung Linie 1 und 8: Wie geht es weiter?

Die Straßenbahnverlängerung der Linie 1 nach Mittelshuchting und die Straßenbahnverlängerung der Linie 8 nach Weyhe ist eine „unendliche Geschichte“. Schließlich erschließt sich nicht nur den Huchtingern, sondern auch dem Huchtinger Beirat der Nutzen der Verlängerung der Straßenbahn, und auch die Wirtschaftlichkeit der Streckenverlängerung scheint nicht so optimal zu sein, wie zuvor berechnet.

Alles in allem gab es in den letzten Monaten des Jahres 2017 viele Änderungen, das sowohl die Streckenverlängerung nach Stuhr/Weyhe beeinflußte, als auch die Streckenverlängerung nach Mittelshuchting.

Hier wollen wir versuchen, alle wichtigen Informationen – auch aktuelle Informationen – zusammentragen, die in den letzten Monaten für Aufmerksamkeit in Huchting, im Beirat Huchting und im Bremer Senat gesorgt haben…

Straßenbahnverlängerung in den Bremer Süden

Als das Projekt Anfang der 90er Jahre auf Infotafeln seitens der BSAG vorgestellt wurde, kamen bereits kritische Stimmen aus der Bevölkerung. Selbst Nachfragen, wie dann der Busringverkehr laufen sollte, konnten damals nicht beantwortet werden. Nicht erwähnt, und nicht vorhanden, war die Linie 8. Die kam ja auch viel später als neue Linie nach Huchting.

Viel Später kamen zu den Planungen eine weitere Linie, die nach Huchting lief: Die Linie 8 verkehrt von der Kulenkampfallee nach Huchting, und sollte nach den neuen Planungen weiter nach Niedersachsen geführt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt schien es, als ob sowohl die BSAG als auch die Politik die Straßenbahn Verlängerung nach Mittelshuchting nicht mehr weiter verfolgte. Schließlich wurde immer wieder betont, das Bremen ein Haushaltsnotlageland ist, weshalb man den Ausbau verschieben müßte.

Da die BSAG die Streckenverläufe und auch die Linie in den letzten Jahren verändert hatte (z. B. wurde die Linie 6 von Huchting nach Riensberg abgezogen, und nun verkehrt die Linie 6 vom Flughafen zur Universität), kamen auch die Linienverlängerungen wieder ins Gespräch (z. B. Linie 1 nach Mahndorf, Linie 4 nach Lilienthal, Querspangen, etc.) und vor allem auch die Linienverlängerungen Linie 1 nach Mittelshuchting und nun neu die Linie 8 nach Weyhe/Leeste.

Wer sich nun fragt, wie denn diese Verlängerungen finanziert werden sollten, der bekam als Antwort, das dies der Bund (also Berlin) zu 80 % finanzieren würde. Somit stand eigentlich der Verlängerung nichts mehr im Wege…

Die Huchtinger und der Busringverkehr

Bis dato schien niemand mehr in Huchting an der Verlängerung zu glauben, jedoch rückte das wieder ab dem Jahr 2010 wieder stärker in den Focus der Huchtinger Bevölkerung. Ab diesem Jahr wurden die Pläne für die Verlängerung der Linie 1 nach Mittelshuchting vorgestellt. Selbst bei diesen Plänen war der Busringverkehr außen vor und die Planungen, wie die andere Seite Huchtings bedient werden soll, stand nicht konkret fest. Dabei wurden auch schon im Jahr 2010 die ersten Online Petitionen der Huchtinger ins Leben gerufen, um gegen die Verlängerung der Linie 1 zu Protestieren.

Zwei Jahr später verkündete der Senat dann, das die Linie 8 in Richtung Stuhr und dann weiter nach Weyhe/Leeste führen soll. Dies geht aber nur, wenn die Linie 1 mit verlängert wird. Nur wenn diese beiden Linien verlängert würden, bekäme Bremen für den Ausbau Zuschüsse aus Berlin. So wurde es sowohl in der Presse als auch auf  Bürgerforen mitgeteilt. Aber weiterhin konnte weder die BSAG, noch die Planer für die Verlängerung erklären, wie der Abschnitt „Brüsseler Straße bis Roland Center“ und die Haltestelle “ Friedhof Huchting“ bedient werden soll.

Aus diesem Grunde wehrten sich die Huchtinger gegen die Pläne und schlugen auch neue Ideen für eine Streckenführung vor. Zudem wurde aber auch gesagt, das der Busringverkehr in Huchting sich seit langem bewährt hat. Die Haltestellen sind gut erreichbar und alle wichtigen Punkte sind mit dem Bus gut zu erreichen.

Bürgerforen

Nun haben sich die politisch-verantwortlichen in den Kopf gesetzt, die Straßenbahnverlängerung trotzdem durchzusetzen, und die meiste Kraft ging vom Verkehrsressort aus, das nun von einem Grünen geleitet wird. Da jedoch sowohl die Bevölkerung als auch der Beirat immer wieder die Pläne kritisiert haben und der Druck aus Huchting immer stärker wurde, entschied das Verkehrsressort, das mehrere Bürgerforen, die Moderiert wurden, eingerichtet werden sollten. Diese Bürgerforen sollten die Aufgabe haben, den Bürger die Verlängerung „schmackhaft“ zu machen, aber gleichzeitig sollten Sie an den Planungen teilhaben. Bedeutet: Wenn ein Bürger eine Idee hat, so soll diese mit in die Planungen einfließen.

Die Idee schien gut, jedoch war das Problem, das selbst nach dem Ende der Bürgerforen, viele Fragen noch offen waren, die bis dato nicht beantwortet werden konnten oder man diese Fragen nicht beantworten wollte. Viele Bürger, die sich aktiv an der Planung beteiligten, waren mehr als Enttäuscht, wenn Ihre guten Ideen als „nicht umsetzbar“ oder „nicht machbar“ in die Planungen doch nicht eingebracht wurden. So blieb nur noch gegen die Pläne Widerspruch einzulegen und die Sachlage noch einmal Schriftlich zu erläutern. Auch hier wären mehr Einsprüche beim Senator eingegangen, wenn die Behörde dies besser kommuniziert hätte. Dies war aber Kalkül… trotzdem gab es über 230 Einsprüche gegen die Straßenbahnverlängerung Linie 1 nach Mittelshuchting.

Nach gut einem halben Jahr wurde die Einsprüche auf einer weiteren und „letzten“ Bürgerversammlung dargelegt, jedoch zu einer Zeit, wo die hälfte der Huchtinger nicht dabei sein konnte, da sie Berufstätig waren. Auch dies war Kalkül, damit sowenig Bürger wie nur möglich daran teilnehmen konnten, und man die einzelnen Punkte schneller Abarbeiten konnte.

Danach wurde es relativ ruhig um die Straßenbahnverlängerung, jedoch wurde im Hintergrund weiter an der Verlängerung gearbeitet und es wurden Gelder bewilligt, rund 2,2 Million Euro für den Ankauf von Flächen. Doch dann schreckte sowohl der Senat als auch der Verkehrssenator auf, als eine Nachricht aus Niedersachsen Bremen erreichte…

Linie 8 nach Weyhe

In Niedersachsen wurde vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen die Verlängerung der Linie 8 eingereicht, da man mit den Planungen nicht einverstanden war. Die Planung für den Streckenverlauf und auch der Verlauf sollten noch einmal überprüft werden. Doch es kam alles anders: Das Verwaltungsgericht prüfte die Klage, ließ diese zwar zu, aber stoppte die bisherige Planung mit der Begründung, da die Streckenführung auf einer Eisenbahntrasse verlaufen soll, die nur für den Güterverkehr zuständig ist. Hier hätten die Planer die Strecke Planen müssen, für das Personenförderungsgesetz. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Dies traf auch Bremen ziemlich hart, denn damit war auch die Verlängerung der Linie 1 nicht mehr möglich. Doch der Verkehrssenator Lohse änderte alles, ohne den Beirat zu informieren.

Nur Verlängerung Linie 1

Die Huchtinger Initiative gegen die Straßenbahnverlängerung informierte auf einer Beiratssitzung über die bisherigen Planungen und auch das weitere Vorgehen, als in den Nachrichten mitgeteilt wurde, das der Verkehrssenator Lohse die Straßenbahnverlängerung Linie 1 nach Mittelshuchting vorantreiben würde, auch wenn die Linie 8 erst später oder gar nicht kommen sollte.

Das Verkehrsressort und auch der Senat hatten dem Beirat versprochen, das man sich unter einander informiert – vorab (!) – wenn es wichtige Entscheidungen gibt, oder sich etwas ändert. Dies wurde aber in diesem Falle nicht getan und die Beiratssitzung wurde abgeändert. Der Beirat fühlte sich mehr als übergangen und es wurde in Schreiben an den Senat und Senator Lohse verfaßt. Das einzige, was der Beirat als Antwort bekam, war, das man sich entschuldigte, für das „Fehlverhalten“ und man Besserung gelobte. Das ließ aber der Beirat Huchting nicht auf sich sitzen und kündigte an, diesen Vorfall juristisch prüfen zu lassen, denn es passiert nicht zum ersten mal, das ein Beirat übergangen wird.

Warum war nun der Beirat so sauer? Warum war auch die Initiative Huchting sauer über diese Ankündigung des Senators?

Der Grund ist ganz einfach: Verkehrssenator Lohse hatte auf einer der Bürgerforen gesagt, das man die Linie 1 nicht ohne die Linie 8 und umgekehrt verlängern kann. Dieses Projekt ist nur zusammen Förderungswürdig. Diese Äußerung tätigte er auch in der Presse als auch im Senat selber. Doch nun, nachdem das Verwaltungsgericht die Linie 8 vorläufig in der Planung gestoppt hat, ändert auf einmal der Senator Lohse sein Meinung und teilt mit, das die Straßenbahnlinie 1 auch ohne die Linie 8 Verlängert werden kann. Das wurde aber so vorher nicht kommuniziert und dargelegt, da hieß es immer wieder, das ohne die Linie 8 keine Verlängerung der Linie 1 möglich ist.

Beirat Huchting und Bürgerschaft

Der Beirat Huchting kündigte an, das Sie diesen Vorgang dem Verwaltungsgericht Bremen vorlegen werden, ob es, trotz eindeutiger Beteuerungen beider Seiten, einfach so möglich ist, den Beirat nicht oder nur schlecht bis gar nicht zu informieren, und welche politischen Mittel dem Beirat zur Verfügung stehen. Das ganze verlief dann doch etwas anders, denn die Partei, Die Linke, hat einen Bürgerschaftsantrag eingereicht, worin einfach noch einmal die Straßenbahnverlängerung nach Huchting auf den Tagesordnungspunkt gesetzt wurde.

Ich habe mir den „Schlagabtausch“ angehört und muß sagen, das die Partei Die Linke, alle wichtigen Fragen noch einmal in die Bürgerschaft eingebracht hat. Schließlich geht es hier um einen Stadtteil der durch die Straßenbahnverlängerung ein komplett neues „Gesicht“ erhalten wird. Auch wurden die Busverbindungen erwähnt und das die Verkehrswege sich deutlich erhöhen, auch für die Stadtteilbewohner. Fazit war im Endeffekt, das alle weiteren Gelder für die Straßenbahnverlängerung nach Huchting, auf Eis gelegt werden. Außerdem wird die Verlängerung noch einmal in den Verkehrsausschuß zurück verwiesen und dort noch einmal komplett überarbeitet und intensiv besprochen. Das Argument des Senators Lohse, in diesem Zuge auch die Straßen zu sanieren, ist mehr als fadenscheinig, denn auch andere Straßen müssen dringend saniert und neu gemacht werden.

Damit war auch der Beirat zufrieden, aber es steht immer noch die Klage vor Gericht an, denn der Beirat als letzte Instanz im Stadtteil wird immer wieder bei großen Projekten übergangen. Dahingehend soll auch das Beiratsgesetz geändert werden.

Brückenabriß

Warum sollte eigentlich die Brücke über die B75, die Heinrich-Plett-Allee, abgerissen werden?

Das haben sich viele Huchtinger und Bremer gefragt, und nun könnten man mehr als nur unken: Damit die Straßenbahnlinie 1 nach Mittelshuchting verlängert und zweispurig über die B75 geführt werden kann. Die Brücke war noch komplett in Ordnung und mußte nicht abgerissen werden, denn sie war mehr als solide gebaut worden. In einer sehr interessanten Dokumentation des NDR wurde der Brückenabriß über die B75 gezeigt und dort konnte man auch sehen, das der Gehrungsstahl und die Streben alle noch in Ordnung waren. Zudem hatte das Abrißunternehmen Schwierigkeiten die Brücke innerhalb einer gewissen Zeit abzureißen, da diese damals gut gebaut wurde.

Aus erster Hand haben wir erfahren, das der Bauingenieur der Brücke, der nun mittlerweile in einem Pflegeheim lebt, nur gesagt hat, das sich die Mitarbeiter des Abrißunternehmens die Zähne an der Brücke ausbeißen werden. Dies war also der Fall.

Zwei Jahr lang gab es keinen Kreisverkehr für den Bus, die Staus erhöhten sich und die Umleitungen waren überfüllt. Zwei Jahre, in denen die Huchtinger Unternehmer einen Umsatzrückgang erlitten haben und diesen auch nicht ausgeglichen bekommen haben und werden. Zudem weigerte sich Bremen die Brück im November 2017 frei zu geben, dies geschah dann erst im Februar 2018. Warum das so war, da kann man nur spekulieren, und von verschiedenen Seiten haben wir unterschiedliche Aussagen erhalten, wie z. B. das die Versorgungsrohre nicht angebracht wurden, daß das Unternehmen noch andere Baustelle hatte oder das Bremen Geldsparen wollte und deshalb den Bau später abgenommen hat (angeblich ging es um 5.000 € wegen schnellem Bau der Brücke).

Man Suche sich das beste aus oder dichte was neues hinzu. 🙂

Nun ist die Brücke wieder offen, der Busringverkehr läuft gut und die Huchtinger können wieder ganz normal durch Huchting fahren und erreichen wieder alle Ziele.

Fazit

Was die Zukunft bringt, bleibt abzuwarten. Eine Straßenbahn bringt noch lange nicht „mehr“ Menschen in den Stadtteil oder neue Ansiedlungen von Unternehmen nach Huchting. Eine Straßenbahn kann auch keine soziokulturellen Unterschiede negieren oder Aufheben, sondern nur die Menschen und die Huchtinger Bevölkerung kann dies tun. Das mehr „Kunden“ in die Straßenbahn einsteigen werden und das die Leute „urplötzlich“ alle Ihre Autos stehen lassen werden, wird auch nicht passieren. Mittlerweile relativieren sich die Kosten zwischen Auto und Monatskarte, so daß beide wieder ein Daseinsberechtigung haben. Zudem ist es immer schwierig „schwere Sachen“ in Bus und Bahn zu transportieren, da hat das Auto einen größeren Vorteil. Aus diesem Grunde sollte man auch nicht die Auto komplett aus der Innenstadt vertreiben.

Eine Straßenbahnverlängerung sollte für alle Nutzbar sein, ohne großen Aufwand und ohne großes Umsteigen, innerhalb eines Stadtteils. So ist die Straßenbahnverlängerung für den Stadtteil keine Option, da der Stadtteil zerschnitten wird, sich die Fahrtwege verlängern und gerade für die Älteren Fahrgäste sich die Laufwege verlängern. Auch die Kosten der Straßenbahnverlängerung und die Folgekosten, müssen nicht nur vom Steuerzahler getragen werden, sondern auch von den Fahrgästen. Somit steigt der Fahrpreis, es besteht nur die Frage, wie lange sich die Menschen noch eine Monatskarte leisten können. Hier wäre es gut, vielleicht nicht unbedingt zu fordern, das man den ÖPNV kostenlos anbietet, sondern die Fahrkarten günstiger macht.

Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Wir Huchtinger hoffen auf unseren Busringverkehr mit Elektrobussen, die bereits sehr erfolgreich getestet wurden.

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